Christine Fink
 
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Störungen beachten!?

Die erste Frage, die sich bei jeglicher Form von Störung stellt, ist fast immer: Ignoriere ich die Störung? Reagiere ich darauf? Und wenn ich reagiere: Wie?

Hierbei ist es wichtig, die drei Formen von Störungen zu beachten und die verschiedenen Ursachen für die „gestörte Befindlichkeit“ der Beteiligten zu berücksichtigen.

Die Begründerin der Themenzentrierten Interaktion (TZI), Ruth C. Cohn, hat bei ihrer Arbeit mit Gruppen festgestellt: Störungen nehmen sich Vorrang („Disturbances take precedence“). Dieser Satz, der missverständlich mit „Störungen haben Vorrang“ übersetzt wurde und damit zu dem bedauerlichen Vorurteil führte, die TZI fordere, man müsse jeglicher Störung Vorrang gewähren, beschreibt eine wichtige Eigenschaft einer Störung: Wenn ich eine Störung empfinde, dann nimmt sie sich irgendwann den Raum, den sie braucht. Ein Unterdrücken des störenden Verhaltens führt also aller Voraussicht nach dazu, dass die Störung irgendwann wieder aufbricht. Es ist also ein Kennzeichen eines guten Lehrers, wenn er die Störung/ die „gestörte Befindlichkeit“ wahrnimmt, sie evtl. kurz anspricht, aber nicht zum Thema der Klasse macht - außer es handelt sich um eine Störung, die die ganze Klasse betrifft.

Vielleicht ist es schon eine erste Hilfestellung, wenn Sie sich die Unterscheidung der drei Formen von Störung klar machen: Hier sind zum einen Störungen der Interaktion zwischen SchülerInnen oder Schülergruppen zu nennen: Mädchen gegen Jungen, Mobbing einzelner Mitschüler oder Mitschülergruppen usw. Diese Störungen innerhalb der Gruppe wirken sich oft auf den Unterricht aus und führen zu Unterrichtsstörungen, gegen die man nicht durch Besprechen oder Unterbinden der aktuellen Störung (also einer Symptombehandlung) ankommen kann, sondern bei denen ein tiefgreifendes Bearbeiten der Ursache notwendig ist.

Die zweite Form von Unterrichtsstörung zeigt sich durch ein hohes Maß an Passivität: Der Unterricht erscheint zäh, die Schüler arbeiten kaum mit, erledigen nur selten oder gar keine Hausaufgaben, vergessen Materialien usw. Hier findet zwar keine aktive Störung statt, dennoch wird der Unterrichtsfluss und damit das Lernen gestört.

Und schließlich haben wir es mit einer dritten (und häufigsten) Form der Unterrichtsstörung zu tun, der aktiven Unterrichtsstörung: Die Schüler verhalten sich unruhig, schwatzen, reden ohne aufgefordert zu sein, laufen herum usw.

Aus meinem Unterrichtsalltag kenne ich alle drei Formen. Wie aber ist es möglich, damit umzugehen und die Störungen zu reduzieren?

Prinzipiell unterscheidet man zwischen Prävention und Intervention. Beide Strategien gehören in den Handwerkskoffer eines guten Lehrers: Sie brauchen das Wissen, wie Sie Störungen vorbeugen können, aber auch, wie Sie konkret auf Störungen reagieren können.

In meinem Buch "Strukturierungshilfen für den Unterricht: Schülern Orientierung geben, effektiv unterrichten" finden Sie weiterführende Informationen zu diesem Thema.